Die steuerliche Behandlung von Kryptowährungen in Deutschland ist komplex, aber beherrschbar — wenn du die Grundregeln kennst. Dieser Artikel erklärt die wichtigsten Regeln für ETH-Anleger. Er ersetzt keine Steuerberatung.


Grundregel: Haltefrist von einem Jahr

Gewinne aus dem Verkauf von ETH sind nach einer Haltefrist von einem Jahr komplett steuerfrei. Verkaufst du innerhalb eines Jahres mit Gewinn, wird dieser als „Einkünfte aus privaten Veräußerungsgeschäften" nach § 23 EStG besteuert — mit deinem persönlichen Einkommensteuersatz.

Seit 2024 gilt eine Freigrenze von 1.000 Euro pro Kalenderjahr für alle privaten Veräußerungsgewinne zusammen. Bleibst du darunter, zahlst du nichts. Überschreitest du die Grenze, wird der gesamte Gewinn steuerpflichtig.


Staking-Erträge

Staking-Belohnungen gelten als Einkünfte aus sonstigen Leistungen (§ 22 Nr. 3 EStG) und sind im Zuflusszeitpunkt mit dem Marktwert zu versteuern. Es gibt eine Freigrenze von 256 Euro pro Jahr für sonstige Einkünfte.

Wichtig: Das BMF hat 2022 klargestellt, dass Staking die Haltefrist nicht auf zehn Jahre verlängert. Die einjährige Haltefrist bleibt bestehen — auch für gestakte ETH. Die Staking-Rewards selbst unterliegen ebenfalls der einjährigen Haltefrist, wenn du sie später verkaufst.


DeFi-Besteuerung

DeFi ist steuerlich das komplexeste Thema. Jeder Token-Swap auf Uniswap oder SushiSwap ist ein steuerlich relevanter Vorgang — ein Tausch von Krypto zu Krypto. Das bedeutet: Haltefrist beachten und Gewinne/Verluste dokumentieren.

Liquidity Providing, Lending und Yield Farming können zusätzliche steuerliche Konsequenzen haben. Wer aktiv in DeFi unterwegs ist, sollte ein Krypto-Steuer-Tool wie CoinTracking, Blockpit oder Koinly nutzen und im Zweifelsfall einen Steuerberater konsultieren.


DAC 8 — die EU-Meldepflicht

Ab 2026 müssen Kryptobörsen und Dienstleister in der EU Transaktionsdaten an die Steuerbehörden melden (Directive on Administrative Cooperation 8). Das Finanzamt wird also einen besseren Überblick über deine Krypto-Aktivitäten haben. Wer bisher nicht dokumentiert hat, sollte jetzt anfangen.


Tipps für die Praxis

  1. Dokumentiere von Anfang an. Datum, Menge, Kurs, Plattform — für jeden Kauf, Verkauf und Tausch.
  2. Nutze ein Krypto-Steuer-Tool. CoinTracking, Blockpit und Koinly können Wallets und Börsen automatisch importieren.
  3. Haltefrist im Blick behalten. Verkaufe nach Möglichkeit erst nach einem Jahr.
  4. Staking-Rewards separat tracken. Notiere den ETH-Kurs zum Zuflusszeitpunkt.
  5. Im Zweifelsfall: Steuerberater. Krypto-spezialisierte Steuerberater gibt es inzwischen in jeder größeren Stadt.

Letzte Aktualisierung: Februar 2026. Keine Steuerberatung.

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