Seit dem „Merge" im September 2022 nutzt Ethereum Proof of Stake statt Proof of Work. Das bedeutet: Statt energiehungriger Miner sichern Validatoren das Netzwerk, indem sie ETH als Sicherheit hinterlegen. Dafür erhalten sie Staking-Rewards — eine Art Rendite auf ihre ETH.

Staking ist ein Grundpfeiler des Ethereum-Ökosystems und bietet dir die Möglichkeit, mit deinen ETH passives Einkommen zu erzielen. Aktuell liegt die Rendite bei etwa 3–4 % APY — deutlich mehr als die meisten Tagesgeldkonten.


Wie funktioniert Staking?

Beim Staking hinterlegst du ETH als Sicherheit (Stake). Dafür wirst du als Validator ausgewählt, neue Blöcke vorzuschlagen und bestehende Blöcke zu bestätigen (attestieren). Für korrekte Arbeit erhältst du Rewards. Für Fehlverhalten (z.B. Offline sein oder widersprüchliche Attestierungen) wirst du bestraft — das nennt sich Slashing.

Die Rewards setzen sich aus drei Quellen zusammen: Konsensus-Rewards (für das Validieren von Blöcken), Ausführungs-Rewards (Prioritäts-Gebühren aus Transaktionen) und eventuell MEV-Rewards (Maximum Extractable Value).


Die drei Wege zum Staking

1. Solo Staking — Volle Kontrolle

Du betreibst deinen eigenen Validator-Node. Dafür brauchst du mindestens 32 ETH (aktuell ca. 80.000–100.000 €) plus einen dauerhaft laufenden Computer mit stabiler Internetverbindung.

Vorteile: Maximale Dezentralisierung, keine Gebühren an Dritte, volle Kontrolle über deine ETH. Du unterstützt aktiv die Sicherheit des Netzwerks.

Nachteile: Hohe Einstiegshürde (32 ETH), technisches Wissen nötig, Hardware und Strom kosten Geld, Slashing-Risiko bei Fehlkonfiguration.

Software: Gängige Clients sind Lighthouse, Prysm, Teku und Nimbus (Konsensus-Layer) sowie Geth, Nethermind und Besu (Execution-Layer). Du brauchst jeweils einen von jeder Art.

2. Liquid Staking — Flexibel bleiben

Du stakst deine ETH über ein Protokoll wie Lido (stETH), Rocket Pool (rETH) oder Coinbase (cbETH). Im Gegenzug erhältst du einen Liquid Staking Token (LST), der deinen gestakten ETH-Anteil repräsentiert.

Vorteile: Kein Minimum von 32 ETH — du kannst jede beliebige Menge staken. Dein LST kann in DeFi weiterverwendet werden (z.B. als Sicherheit bei Aave). Du bleibst liquide.

Nachteile: Protokoll-Risiko (Smart Contract Bugs), der LST kann temporär unter dem ETH-Kurs handeln (Depeg-Risiko), Gebühren von 5–15 % auf die Rewards.

Empfehlung: Rocket Pool (rETH) ist dezentraler als Lido und hat ein gutes Sicherheitsprofil. Lido hat den größten Marktanteil, was manche als Zentralisierungsrisiko sehen.

3. Staking über eine Börse — Am einfachsten

Börsen wie Bitpanda, Kraken oder Coinbase bieten Staking als Service an. Du klickst auf „Staken" und fertig. Die Börse kümmert sich um alles.

Vorteile: Maximal einfach, kein technisches Wissen nötig, oft ab wenigen Euro möglich.

Nachteile: Du gibst die Kontrolle über deine ETH ab (Not your keys, not your coins). Höhere Gebühren (15–25 % auf Rewards). Risiko bei Insolvenz der Börse.


Staking-Rendite: Was kann man erwarten?

Die Staking-Rendite hängt von der Gesamtmenge der gestakten ETH ab. Je mehr ETH gestakt sind, desto geringer die individuelle Rendite. Aktuell (Februar 2026) liegt die Rendite bei etwa:

Solo Staking: ~3,5–4,5 % APY (inkl. MEV)

Liquid Staking (Lido): ~3,2–3,8 % APY (nach Gebühren)

Börsen-Staking: ~2,5–3,5 % APY (nach Gebühren)

Dazu kommt die potenzielle Wertsteigerung von ETH selbst — allerdings auch das Risiko eines Kursverlusts.


Staking & Steuern in Deutschland

Staking-Rewards sind in Deutschland als sonstige Einkünfte steuerpflichtig (§ 22 Nr. 3 EStG). Der Zufluss wird zum Zeitpunkt des Erhalts mit dem aktuellen Marktwert bewertet. Es gibt eine Freigrenze von 256 € pro Jahr für sonstige Einkünfte.

Die Haltefrist für gestakte ETH beträgt nach aktueller Rechtsprechung weiterhin 1 Jahr — die befürchtete Verlängerung auf 10 Jahre wurde vom BMF 2022 verworfen. Staking verlängert die Haltefrist also nicht.

Liquid Staking Tokens (stETH, rETH) können beim Tausch ein steuerpflichtiges Ereignis auslösen. Details hängen von deinem individuellen Fall ab.

Mehr Details: Ethereum Steuern in Deutschland — der Guide


Risiken beim Staking

Slashing: Bei Fehlverhalten (doppeltes Signieren, längere Offline-Zeiten) wird ein Teil deiner ETH als Strafe eingezogen. Bei Solo Staking liegt das Risiko bei dir; bei Liquid Staking trägt das Protokoll das Slashing-Risiko.

Smart Contract Risiko: Liquid Staking Protokolle basieren auf Smart Contracts, die gehackt werden können. Diversifiziere über mehrere Protokolle, wenn du größere Beträge stakst.

Kursrisiko: Deine Rendite wird in ETH gezahlt. Wenn der ETH-Kurs fällt, kann der Euro-Wert deiner Rewards sinken — auch unter 0.

Lock-up Zeiten: Beim Solo Staking gibt es eine Warteschlange für Ein- und Auszahlungen. Liquid Staking löst dieses Problem, hat aber eigene Risiken.


Für wen lohnt sich Staking?

Staking eignet sich für dich, wenn du ETH langfristig halten willst und bereit bist, die Risiken zu tragen. Wenn du deine ETH sowieso nicht verkaufen willst, kannst du nebenbei eine Rendite erzielen — ähnlich wie Zinsen auf einem Sparkonto, nur mit deutlich höherem Risiko.

Solo Staking ist für technikaffine Nutzer mit mindestens 32 ETH und dem Wunsch, das Netzwerk aktiv zu stärken.

Liquid Staking ist der Sweetspot für die meisten Nutzer: flexibel, kein Minimum, dezentraler als Börsen.

Börsen-Staking ist für absolute Einsteiger, die den einfachsten Weg suchen und bereit sind, Kontrolle abzugeben.


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